Tramperfahrungen

Veröffentlicht auf von Martin & Daniel

Wir haben den Tag heute mit Trampen verbracht. Das Wetter war sehr nass, was unglaublich nervig ist, wenn man am Highway steht und keinen Schutz unter Raststaettendaechern findet. Allerdings vielleicht auch zu einem gewissen Mitleidsbonus verhilft.

Fuer die erste Fahrt mussten wir wieder nicht viel machen. Wir sind lediglich mit unseren Rucksaecken durch Charlottetown Richtung Highway gelaufen, als uns ein autobeladender Dreitagebart angrinst und fragt, ob wir auf der Suche nach einer Gelegenheit aus der Stadt sind. Sind wir. Dabei hilft er uns, nachdem er sich zu Hause noch schnell einen Kaffee kocht und uns mit Hausmacherwurst und -kaese beschenkt. Welch grandioses Proviant. Schmeckt fast wie zu Hause. Eigentlich will er uns nur aus der Stadt fahren, dann bis zu einer grossen Tankstelle und schliesslich, er hat ja nichts besseres zu tun, bis zur Confederation Bridge, die PEI mit Nova Scotia verbindet. Dabei erzaehlt der Gruene und selbststaendige Koch von Geschaeftsideen und gibt uns noch ein paar Tipps fuer Montreal.

Ueber die Bruecke (Shuttlebus gespart) und zum naechsten Autobahnkreuz geht es im Van einer Familie, die auf dem Weg nach Halifax ist, um ihre Tochter von einer 4-monatigen Europareise abzuholen. Sie verstehen gleich, wovon wir erzaehlen und auf der Fahrt gibt es keine Sekunde in Schweigen. Viel zu viel Interesse an unserer Reise. Tolles Feedback.

Nach einer langen Fahrt mit einem Ehepaar, das erst auftaut, als es sich mit Idee anfreunden konnte, zwei Backpacker auf der Rueckbank sitzen zu haben, werden wir Schmarotzer von einer Tankstelle verscheucht und muessen den Highway entlanglaufen. Das nervt, aber nicht lange, weil erst zwei Maedels, dann ein Mann auf dem Weg zur Arbeit, uns nicht in Gischt und Regen stehen lassen wollen.

Was dann kommt, ist kaum zu glauben. Wieder ein Dienstreisender. Diesmal auf dem Weg nach Edmundston, kurz vor der Grenze zwischen New Brunswick und Quebec. Draussen wird es dunkler und, auch wenn wir mit der Strecke von heute zufrieden sind, bereiten wir uns auf eine Nacht im Zelt vor. Da fragt er, ob wir nicht das freie Bett in seinem Hotelzimmer nutzen wollen. Zahlt eh die Firma. Wir muessen nicht lange ueberlegen, sagen ja. Wir drehen noch eine Runde durch die Stadt, er fuellt den Kuehlschrank mit Bier und bestellt Pizza. Angebote auf Kostenbeteiligung weiss er konsequent zu verneinen. So sitzen wir gerade mit vollen Magen in einem Best Western Hotelzimmer, koennen morgen frueh duschen und bekommen noch Fruehstueck, bevor es weiter nach Montreal geht.

Trampen ist ein Erlebnis. Immer wieder.  Reiselaunehoch im Quadrat!
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