Hummer weinen nicht

Veröffentlicht auf von Martin & Daniel

Wieder einen Punkt auf der to-do-Liste erlebt: Hummer an der Ostkueste zubereiten und essen. Aber nicht, so wie man es vielleicht aus Filmen oder teuren Restaurants kennt. Sondern auf die neufundlaendische, unbeschoente Art.

Der Verkaeufer hat uns empfohlen ihnen keine Namen zu geben. War auch nicht unsere Absicht. Die Auswahl in dem ueberfuellten Becken fiel nicht leicht, besonders wenn man keine Ahnung hat. Ungeordnet krabbeln die Hummer uebereinander und praesentieren ihre grossen, mit Gummibaendern entschaerften, Scheren. Der schwerste bringt 2,65 Pfund auf die Waage. Wir nehmen drei fuer 5,99 $ pro Pfund.

Die Anatomie eines Hummers und der Unterschied zwischen Maennchen und Weibchen. Learning by cooking and eating. Wer das ganze Erlebnis haben will, kocht sie in Meerwasser. Kein Problem, ist ja gleich um die Ecke. Das Wasser zum Kochen bringen, was nebenbei fuer einen authentischen Meeresgeruch sorgt, Gummibaender abschneiden und rein damit. Das dauert eine moralische Zoegersekunde, aber Hummer weinen nicht.

Sondern aendern ziemlich schnell die Farbe von einem gruenlichen Grauschwarz zu dem gewohnten roten Orange. So weit so wild, doch zum wahren Schlachtfeld wird erst der Esstisch. Was, fuer den entsprechenden Preis, im Restaurant vor dem Servieren mit professionellem Werkzeug passiert, ist in neufundlaendischen Kuechen wahre Handarbeit. Scheren ab. Knack. Schwanz  ab. Knack. Aufbrechen. (Dabei kann es nochmal zur Rache kommen, wenn zu viel Druck Hummerfleisch gleichmaessig zwischen Haaransatz und Schoss verteilt.) Trennen. Puhlen. Das Hummerfleisch wird traditionsgemaess mit Zitronensaft betraeufelt und in warme Knoblauchbutter getaucht. Schmackofatz!

 

Eine wahre Sauerei und ohne Frage ziemlich barbarisch. Aber schmackhaft. Auch die wenig ansehlichen Innereien (sagt Martin, Daniel verneint). Zum Schluss noch die Beine auszullen. Dann wurde ausser dem Kopf und dem Darm ziemlich alles verzehrt. Gluecklicherweise gab es Kartoffeln und Erbsen dazu, sonst nimmt der Hunger nicht merkbar ab. Du bist, was du isst? Nein, eher nicht. Aber eine wahre kulinarische Erfahrung.

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