Mit einem Gluecksschweinchen unter dem Arm und Schnee unter den Sohlen

Veröffentlicht auf von Martin & Daniel

1000km in der Retrospektive.
Teil1, von Riviere-du-Loup nach Fredericton:

In Nordquebec lag zwischen unserem Hostel und der ersten Autobahnauffahrt, an der wir unseren Daumen in die Luft strecken wollten, der steilste Berg des Staedtchens. Das war anstrengend wurde aber nochmal mit dem Panoramaausblick auf Berge, Fluss und Inselchen belohnt. Der erste Trampversuch war dann auch der bis heute unangenehmste. Bei starkem und eiskaltem Wind haben wir fast 3 Stunden an der Seite der Strasse gewartet, bis das erste Auto angehalten hat. Die Frau war dermassen ueber die Abwechslung erfreut, dass sie sogar ein paar Ausfahrten weiter gefahren ist, um uns an einer besseren Stelle abzusetzen. Dabei wurde lueckenhafter englischer Wortschatz mit Pantomime ausgeglichen, was auf Kosten der Anzahl von Haenden an Lenkraedern ging. Aber das morsche Gefuehl aus den Fingergelenken verschwand langsam und die Nase hat sich farblich wieder dem Rest des Gesichtes angepasst.
An einer Raststaette waermen wir uns von innen mit Suppe und Pommes. Zum Weiterkommen muessen wir nur einmal schuechtern fragen und schon geht es los. Rein vom ersten Eindruck haben wir uns bei den Beiden gar nicht sonderlich grosse Chancen ausgerechnet. Aber als wir auf die Ruecksitzbank klettern, verraten uns von Frieden und Liebe traeumende Lufterfrischer mehr ueber unsere kaum englisch sprechenden Fahrer.
Naechster Halt, nahe Edmundston, an einer Auffahrt, die Autos und Trucks mit Fastfood und Benzin von der Strasse lockt. Es dauert auch nicht lange, da nimmt uns ein Vertreter fuer Autoteile nach Grand Falls mit. Das sieht auf der Karte (die wir von der ersten Fahrerin geschenkt bekommen haben) nicht schlecht aus und er beschreibt uns eine Raststaette mit viel Verkehr und netten Menschen. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Nach 20 Minuten Fahrt laesst er uns nahe einer Tankstelle raus. Die ist allerdings auf der falschen Seite und macht wenig Hoffnung auf ein Weiterkommen nach Fredericton. So entscheiden wir uns nach drei erfolglosen Stunden wieder nach Edmundston zurueck zu wollen.
Dazu laesst sich ein Paearchen ueberzeugen, das wir wahrscheinlich an ihren eigenen Soehne erinnern. Da wird der Vorzeigeschwiegersohn rausgelassen und nicht nur mit geografischem Fortschritt, sondern auch mit Kaffe und Donuts belohnt. Die Erfahrung macht Laune und so stehen wir wieder grinsend und bloedelnd zwischen McDonalds und Tim Hortons. Unsere gute Stimmung scheint anzustecken, aber statt Mitfahrgelegenheiten gibt es nur lachende Beifahrer oder entschuldigende Minen. Die Sonne sinkt immer schneller und weiter Richtung Horizont und wir freunden uns schon mit dem Gedanken an, die Nacht unbequem und schlafarm zwischen Burgern und Kaffee zu verbringen. Vielleicht noch eine Stunde Sonnenlicht, dann wird uns keiner mehr mitnehmen. Ein Truck faehrt vorbei und Daniel reisst mehr aus Bloedsinn, als auch ernster Absicht das mit Fredericton beschriebene Hosenbein (Bevor wir losgezogen sind, haben wir uns noch von unnoetigem Gepaeck verabschiedet, da war auch eine Hose dabei. Doch das Textil sollte nicht ohne Nutzen bleiben.) hoch und der Truck zieht vorbei. Erst einige Sekunden spaeter realisieren wir, dass der Truck hinter uns angehalten hat und zur Warnung blinkend die Auffahrt verengt. Plan B wird verworfen, wir sind auf dem Weg nach Fredericton. Und zwar in so einem richtigen fetten Truck. Haben erhoehten Ausblick in die Flusstaeler und nehmen ein bisschen King of the Road Gefuehl mit.
Als wir in Fredericton ankommen, ist es schon dunkel. Auf der Suche nach der Hosteladresse fragt uns jemand, ob wir Couchsurfer sind. Wir nicken und er fuehrt uns zu seiner ehemaligen WG. Dort haben wir zuvor keinen erreicht und eigentlich rechnen sie erst naechste Woche mit uns, aber, in die Gluecksstraehne passend, geht alles klar und wir bleiben zwei Naechte.
Fredericton ist zwar die Hauptstadt von New Brunswick, aber sonderlich viel gibt es hier nicht zu tun. Hatten ein leckeres und vitaminreiches Fruehstueck. Am schoensten war wohl das Ufer des komplett vereisten St.-John-River. Beschauliches Staedtchen, das keine Hektik aufkommen laesst. Ein paar Fotos gibt es dennoch, bald.

Das koennte jetzt eventuell ein wenig verwirrt klingen. Der Anglophone zwingt Umstaende gerne in Nussschalen. Sagen wir, der erste Tramptag war genial. Scheint wirklich eine Methode zu sein, mit der man hier gut durchs Land kommt und keinen Cent ausgibt. Dafuer muss man halt auch die ein oder andere Unannehmlichkeit in Kauf nehmen.
Menschlich war die Fahrt zurueck nach Edmundston mit gesponserten Donuts und Kaffee eine super Erfahrung. Trampen in der Koenigsklasse war natuerlich unvergesslich. King of the Road.
Vergessen haben wir sicherlich trotzdem was. 2 gluecklich strahlende Tramper... 
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