Aus dem Leben eines Taugenichts

Veröffentlicht auf von Martin

Gestern kam Einer nach Dawson gelaufen. Gelaufen ist dabei woertlich zu nehmen. Und gestartet ist er in Fairbanks mit dem Ziel Whitehorse. 1000 Meilen, die Strecke des Yukonquest, zu Fuss, verrueckt. Der gute Herr sollte dann interviewt werden, kommt jedoch aus Deutschland und bezeichnet sein Englisch als nicht interviewfest. Da trifft es sich vorzueglich, dass ein anderer Deutscher zur Zeit in dem Kaff rumlungert.
Kaff auch, weil es gerade einmal 10 Minuten und 2 Personen gebraucht hat, um mich zu finden. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ich ueberall sein koennte. So gab es erst ein Mittagessen auf Kosten der Zeitung, danach habe ich ihm noch ein bisschen Dawson gezeigt und erklaert, wo er sein Proviant aufstocken kann.
Interessante Geschichten wusste er zu erzaehlen. Mein lieber Schwan. Von Naechten ohne Zelt im nassen Schlafsack. Halluzinationen. 6 Tage ohne auch nur einen Menschen oder einen Elch gesehen zu haben. Vom Arctic Ultra, Marathonrennen durch die Sahara Wueste, durch China oder sonstwo in Nepal. Das Ganze macht er fuer einen guten Zweck. Wer sein Gewissen mal wieder erleichtern will, findet auf der Seite (ich hatte noch gar keine grosse Zeit dafuer) bestimmt alles noetige um den Organisationen eine Spende zukommen zu lassen.
Tippfaul. Aber dennoch erzaehlenswert: Waehrend er laeuft - jeden Tag etwa 10 Stunden - trinkt er nur 1l Wasser, isst nur jeden zweiten Tag warm, raucht 10 Zigaretten am Tag und isst kein Obst. Hauptsaechlich Schokolade.

Aus den Playoffs haben wir uns wenig ruhmreich verabschiedet. In einer Stunde etwa steht das Eishockeyspiel Deutschland - Kanada an. Wenn Deutschland gewinnt, darf ich mich verstecken. Nicht nur, dass ich hier der Deutsche bin, ein Eishockeyspieler obendrauf, da sollte ich lieber keine dicke Lippe riskieren.

Morgen geht es nach Whitehorse. Den Klondike feiern und Eishockey spielen. Der Maerz ist in Dawson von Grossereignissen gepraegt. Die ersten beiden Wochen schlaengelt sich der Treck over the Top durch das Nest und das Wochenende drauf proben wir den Fruehling beim alljaehrlichen Thaw di Gras. Inkl. Strassenhockeyturnier. Ja, das hoert wohl nie auf. Meldung gibt es uebers Wochenende wohl keine. Zum einen weil ich weg bin, zum anderen, weil mein Ladekabel dem Laptop keinen Saft mehr goennt.

Sollte ich nach der Rueckkunft mehr in Schreiblaune sein, verliere ich sicherlich noch ein paar Worte ueber den Tag mit Joachim. 

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Andreas Reichert 02/24/2010 20:43


Hallo Martin, nachträglich alles erdenklich Gute zum Geburtstag. Wir beobachten dich genau in Kanada. Es ist immer wieder ein Genuss dein "Tagebuch" zu lesen. Es grüßt die Olympia-Spätschicht der
Main-Post - Daniel und Andreas.